Zukunfts­vi­sion: Wie wir Stadt­viertel gestalten müssten, wenn sie konse­quent das Klima schützen sollen

Eine endlose Anzahl grüner Gebäude macht noch keine nach­hal­tige Stadt.” - Jan Gehl

Ich bin der Meinung dass die Bezie­hung zwischen einer Person und ihrer Stadt am besten funk­tio­niert, wenn die Stadt hilft die indi­vi­du­ellen Ziele der Person zu erfüllen. Was beispiels­weise für die/den Eine(n) das Gründen einer Familie ist, ist für die/den Nächste(n) das Gestalten einer erfolg­rei­chen Karriere. Und: Eine weitere Ziel­set­zung wird in Zukunft mehr als essen­tiell: Das Errei­chen der persön­li­chen Klima­ziele.

Der Welt­kli­marat hat berechnet, dass ab 2050 nur noch ca 2 Tonnen CO2 pro Jahr pro Kopf ausge­stoßen werden dürfen, um die beschlos­senen Klima­ziele zu errei­chen. Der/die durch­schnitt­liche Deut­sche emit­tiert im Moment aber ca 11 Tonnen pro Jahr! In den nächsten Jahren und Jahr­zehnten müssen wir also konti­nu­ier­lich unseren Lebens­stil anpassen. Das Problem ist, dass es im Moment noch sehr beschwer­lich ist auch nur ansatz­weise klima­neu­tral zu leben. Für beinahe alle Akti­vi­täten, die wir in unserem zivi­li­sierten Alltag unter­nehmen brau­chen wir Energie. Energie, die nur noch selten von Muskel­kraft kommt sondern viel­mehr von fossilen Ener­gie­trä­gern. Das ist zwar sehr billig, aber extrem klima­schäd­lich.

Das Problem: Auf erneu­er­bare Ener­gien zu setzen reicht bei weitem nicht aus. So viele Wind­räder und Photo­vol­ta­ik­an­lagen können wir nicht bauen um unseren Ener­gie­hunger zu stillen. Zu hoffen, dass es Erfin­dungen gibt, die uns das Ener­gie­pro­blem lösen ist eben­falls naiv. Auf ein Perpe­tuum Mobile, das von alleine Energie erzeugt, braucht man schließ­lich nicht hoffen — außer man schafft es die Natur­ge­setze außer Kraft zu setzen. Extrem unwahr­schein­lich. Deswegen zeichnet es sich ab, dass es unver­meid­lich ist unseren Ener­gie­be­darf konti­nu­ier­lich zu senken. Das bedeutet, dass wir unsere Art zu Leben anpassen müssen.

Place matters

Und das fängt bei unserem Wohnort an. Denn das ist der Ort, an dem wir den Groß­teil unserer Zeit verbringen und dementspre­chend viel Energie verbrau­chen. Sei es beim Heizen, bei der Mobi­lität, bei der Ernäh­rung, beim Konsum und bei der Frei­zeit­ge­stal­tung. Hier entscheidet sich, ob unser CO2-Fußab­druck mit den Klima­zielen vereinbar ist oder eben nicht.

Habe ich Radwege in der Nähe? Wie gut gedämmt ist meine Wohnung/ mein Haus? Wo bekomme ich ökolo­gi­sche, regio­nale und saiso­nale Lebens­mittel? Wie weit ist mein Weg zur Arbeit? Kann ich meine Besor­gungen zu Fuß machen? Mit wem in meinem Umfeld kann ich mir eine Wasch­ma­schine teilen? Habe ich genug Abwech­se­lung und kultu­relle Viel­falt in meiner Umge­bung oder muss ich immer in den Urlaub fliegen? Wo kann ich selber Gemüse anbauen? Wo ist das nächste Repair-Cafe? … Fragen über Fragen. Du siehst: Unser Wohnort stellt die Basis bereit, wie nach­haltig wir leben können.

Gene­rell bietet das Leben in der Stadt gegen­über dem Land eine klima­freund­li­chere Basis. Das liegt unter anderem an gerin­gerem Ener­gie­auf­wand beim Heizen, was an der dichten Bebauung liegt. Viele Menschen auf wenig Fläche bedeutet weniger Ener­gie­ver­brauch. Und zum anderen muss in der Stadt durch die kurzen Wege weniger Energie aufge­wendet werden um von A nach B zu kommen und die Grund­be­dürf­nisse zu erfüllen. Vor allem kann sehr leicht auf ein Auto verzichtet werden. Und: Wenn in die Höhe gebaut wird anstatt in die Fläche, dann wird weniger Land gebraucht und weniger Natur zerstört.

Die welt­weite Urba­ni­sie­rung ist also eine große Chance. Denn was wäre die Alter­na­tive zur urbanen Dichte? Eine massive Zersied­lung der Natur. Das sollten wir tunlichst vermeiden. Aller­dings: Das heißt nicht, dass alle Menschen in die Groß­städte ziehen sollten. Jeder Mensch, der auf dem Land wohnen bleibt ist wichtig. Denn nur so kann sicher gestellt werden, dass dort die Daseins­vor­sorge aufrecht erhalten wird, wodurch die Wege halb­wegs kurz bleiben und somit möglichst wenig Energie für Mobi­lität benö­tigt wird und die Zufrie­den­heit und Selbst­wirk­sam­keit auf einem stabilen Level bleibt.

 

Nach­hal­tige Grund­lagen

Aber bleiben wir beim Thema Stadt: Die zentrale Frage muss lauten: Wie müssen wir unsere Städte planen, um dem einzelnen Menschen dabei zu helfen seine Klima­ziele zu errei­chen? Wie können wir Energie einsparen? Und vor allem: Wie schaffen wir gleich­zeitig ein Plus an Lebens­qua­lität anstatt Einschrän­kungen und soziale Verwer­fungen zu produ­zieren?

Nun, bevor diese Frage beant­wortet werden kann eröffnen sich schon die ersten Schwie­rig­keiten: Wie bauen wir über­haupt? Und da stößt man schnell auf die Erkenntnis, dass wir

  1. zu viel Beton, Stahl und Glas verwenden.
  2. zu viele Flächen verbrau­chen bzw versie­geln

Gerne empören wir uns (zu Recht) darüber dass in Südame­rika der Regen­wald abge­holzt wird. Dass wir aber selber in Deutsch­land täglich eine Fläche von ca 88 Fußball­fel­dern für Sied­lungs- und Verkehrs­flä­chen ausweisen hat kaum jemand auf dem Schirm. Und hier ist der Punkt: In dem Moment wo wir aufhören Flächen zu verbrau­chen beenden wir auch den immer stärker werdenden Ener­gie­hunger. Je mehr Fläche wir in Infra­struktur umwan­deln desto mehr Energie verbrau­chen wir. Wirt­schafts­wachstum braucht Platz. Auch wenn wir kaum noch Indus­trie­hallen bauen: Selbst Inter­net­firmen — bei denen man denken könnte, dass sie kaum Gebäude, etc brau­chen — benö­tigen enorme Flächen. Ziel muss es also statt­dessen sein, bereits genutzte Flächen und deren Struk­turen umzu­nutzen. Streng genommen haben wir in Deutsch­land auch keine Wohnungsnot. Wir müssten den vorhan­denen Wohn­raum einfach nur gerechter verteilen und pro Nase weniger Quadrat­meter bewohnen.

Mate­ri­al­schlacht

Das zweite Problem sind wie gesagt die Mate­ria­lien, die wir verbauen. Wenn die ganze Welt so bauen würde, wie wir Menschen in der west­li­chen Welt dann hätte das die Kapa­zi­täten unseres Planeten schon längst über­stiegen. Wir bauen schlichtweg auf Pump. Können die heutigen Stahl-Beton-Wolken­kratzer in 50 oder 100 Jahren noch saniert werden? Werden diese Mate­ria­lien in dieser Zeit über­haupt noch in Masse zur Verfü­gung stehen? Es ist offen­sicht­lich, dass auch in der Baubranche ein Umdenken bei der Wahl der Mate­ria­lien statt­finden muss.

Schon jetzt erlebt Holz seine Renais­sance. Und das ist nicht verwun­der­lich — schließ­lich ist es im Gegen­teil zu Stahl und Beton ein nach­wach­sender Rohstoff. Das in Deutsch­land geern­tete Holz würde mehr als reichen, um alle Neubauten aus Holz zu bauen. Punkten kann das Mate­rial außerdem durch kurze Trans­port­wege. Bäume wachsen schließ­lich überall. Und auch das oft kritisch gese­hene Thema Brand­schutz ist kein Problem. Massive Holz­struk­turen bleiben im Falle eines Brandes genü­gend lange trag­fähig. So ist es kein Wunder dass mitt­ler­weile sogar Hoch­häuser aus Holz gebaut werden.

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Ein weiterer fast endlos zu Verfü­gung stehender Rohstoff ist Lehm. Auch mit diesem Mate­rial könnten ganze Stadt­viertel entstehen. Und auch hier ist der große Vorteil, dass Lehm nahezu überall verfügbar ist und somit Trans­port­wege gespart werden können. Einziger Nach­teil: Lehm- und Holz­bauten sind teurer als die derzeit verwen­deten Mate­ria­lien aus der Massen­pro­duk­tion. In der Hinsicht ist noch Besse­rungs­be­darf.

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Nach dieser einfüh­renden Erkenntnis — dass wir zukünftig auf nach­hal­tige Rohstoffe wie beispiels­weise Holz und Lehm setzen müssen und den Flächen­ver­brauchs­wahn­sinn stoppen müssen — möchte ich nun einige umfas­sende Ideen vorstellen, wie das Leben in einem klima­freund­li­chen Stadt­viertel aussehen könnte.

Wohnen

Wie oben ange­spro­chen ist eine gewisse Dichte in einer Sied­lung sehr wichtig. Wie dicht darf es sein? Die Kunst ist eben einen guten Kompro­miss zu finden zwischen zu hoher Dichte und zu geringer Dichte. Das Umland mit einstö­ckigen, PKW-abhän­gigen Einfa­mi­li­en­häu­sern zu besie­deln ist — wie gesagt — genau so falsch, wie ganze Viertel mit anonymen Hoch­häu­sern zu pflas­tern. Denn: Wenn die Wohn­ge­bäude zu hoch sind fühlen sich Menschen sozial isoliert. Zudem ist die nach­bar­schaft­liche Hilfe in diesen Gebäuden sehr schwach ausge­prägt. Ideal erscheint also eine urbane Dichte mit moderat vielen Stock­werken. Ich schlage 4–6 Stock­werke vor.

Als Struktur bietet sich eine Block­rand­be­bauung an. Dadurch entsteht eine urbane Dichte, die viel mensch­liche Inter­ak­tion sowohl im öffent­li­chen als auch im privaten Bereich ermög­licht. Die Sozi­al­struktur der Bewoh­ner­schaft im Block gleicht der eines kleinen Dorfes, die durch hohe soziale Kontrolle inner­halb des Blocks für ein Sicher­heits­ge­fühl sorgt.

Deswei­teren ist es wichtig vergleichs­weise kleine Wohnungen zu bauen. Mindes­tens die Wohnungen im Erdge­schoss müssen barrie­re­frei sein. Denn mit fort­schrei­tendem demo­gra­phi­schen Wandel wird es immer mehr Menschen geben, die in ihrer Mobi­lität einge­schränkt sind. Wichtig ist außerdem, pro Gebäude mindes­tens einen Gemein­schafts­raum anzu­bieten. Dort können sich die Bewohner austau­schen und Gebrauchs­ge­gen­stände, wie zum Beispiel Werk­zeuge oder eine Wasch­ma­schine teilen. Auf diese Weise wird der Konsum neuer Geräte einge­dämmt, Souve­rä­nität gestei­gert und gleich­zeitig mehr Gemein­schafts­ge­fühl geschaffen.

Eine funk­tio­nie­rende Nach­bar­schaft ist essen­tiell. Denn: Die Klima­krise wird verstärkt die Gefahr von Umwelt­ka­ta­stro­phen, wie Wald­bränden, Stürmen oder Über­flu­tungen mit sich bringen. Eine gut funk­tio­nie­rende Nach­bar­schaft kann Leben retten. Deswegen muss nach­bar­schaft­li­chen Bezie­hungen beson­deres Augen­merk geschenkt werden.

Power to the people!

Da Gebäude aus Holz oder Lehm plus Dach­garten teurer sind als herkömm­liche Gebäude müssen attrak­tive Finan­zie­rungs­mo­delle entstehen. Subven­tionen vom Staat sind wichtig. Außerdem können genos­sen­schaft­liche Finan­zie­rungs­mo­delle eine Lösung sein. Wichtig ist außerdem, dass ein Teil der Wohnungen als Sozi­al­woh­nungen zu errichten sind, um eine gemischte Bevöl­ke­rungs­struktur anzu­bieten. Zusätz­lich müssen lang­jäh­rige Miet­bin­dungs­fristen ange­setzt werden. Dadurch können die Mieten und somit die Bewoh­ner­struktur in Zukunft geschützt werden. Die Verdrän­gung von Bewoh­ne­rinnen und Bewoh­nern muss um jeden Preis verhin­dert werden, um sicher­zu­stellen, dass Bewoh­ne­rinnen und Bewohner eine lang­fris­tige, von Sicher­heit und Konstanz geprägte Bindung zu ihrer Nach­bar­schaft eingehen. Durch die Bindung ergibt sich ein höheres Verant­wor­tungs­ge­fühl für den eigenen Stadt­teil und somit mehr Enga­ge­ment, Gestal­tungs­wille, Krea­ti­vität, Selbst­wirk­sam­keit, Resi­lienz und somit Zufrie­den­heit. Die Heraus­for­de­rungen der Klima­krise müssen wie gesagt durch sozialen Zusam­men­halt gestemmt werden.

 

Öffent­li­cher Raum

Wichtig bei der Bebauung ist, zuerst das Leben im öffent­li­chen Raum zu planen und daran die Gebäude auszu­richten. Das mensch­liche Maß ist zu beachten. Ich betone das ausdrück­lich, denn: Viel zu lange haben Archi­tekten ausge­hend von den Ideen der Moderne die Städte an Autos ange­passt. Damit muss nun Schluss sein. Eine nach­hal­tige Stadt muss sich an die Menschen und ihre natür­liche Geschwin­dig­keit anpassen.

Der öffent­liche Raum muss einla­dend wirken, soziale Inter­ak­tion fördern, Einsam­keit vorbeugen, für Bewe­gung sorgen und Ideen-und Wissens­transfer fördern. Da die Tempe­ra­turen welt­weit steigen werden ist es zudem extrem wichtig Frisch­luft­schneisen und kühlende Begrü­nung zu etablieren. Die Städte der Zukunft ist grün! Auch die Arten­viel­falt spielt eine wich­tige Rolle. Zum Beispiel ist es sinn­voll Blüh­wiesen in den Grün­flä­chen zu inte­grieren. Zusätz­lich können zwischen den Gebäu­de­blö­cken Gemein­schafts­gärten entstehen, um die Arten­viel­falt zu schützen und die Aufent­halts­qua­lität zu erhöhen. Grün­flä­chen redu­zieren bekann­ter­maßen Stress. Grüne Stadt­viertel sorgen dafür, dass das Leben trotz der stei­genden Tempe­ra­turen ange­nehm bleibt.

Die Menschen müssen eigenen Gestal­tung­spiel­raum haben. Beson­ders Kinder und Jugend­liche brau­chen Räume, die sie sich aneignen können. Vanda­lismus, Müll und unge­wünschtes Graf­fiti sind aller­dings zügig zu entfernen, um keine Angst­räume entstehen zu lassen. Dafür zuständig sein sollten speziell für Lebens­qua­lität geschulte, kompe­tente Stadt­teil-Kümmerer, die im Einzel­fall entscheiden was entfernt wird und was nicht.

 

Ernäh­rung

Ein nach­hal­tiger Stadt­teil sollte das Ziel haben so autark wie möglich zu wirt­schaften und sich zu ernähren. Sicher­lich können sich die Bewoh­ne­rinnen und Bewohner im urbanen Raum nur sehr schwer komplett selbst mit Lebens­mit­teln versorgen. Grund dafür ist, dass zu wenig Anbau-Fläche zur Verfü­gung steht. Es gibt zwar viele Ideen, wie beispiels­weise Vertical Farming oder Labor-Erzeug­nisse, aller­dings muss immer beachtet werden, wie hoch der Ener­gie­ver­brauch für diese Art der Land­wirt­schaft ist.

Um den Flächen­an­teil an Anbau­flä­chen so hoch wie möglich zu setzen haben wir die Idee alle Gebäude mit Flach­dä­chern auszu­statten, auf denen dann Nahrungs­mittel ange­baut werden sollen. Erlaubt wird nur ökolo­gi­scher Anbau. Da die Gebäude eines Blocks eine Einheit bilden entsteht ein zusam­men­hän­gender Dach­garten in dem jede/r Bewohner_in ihre/seine eigene Parzelle bekommt. Neben Anbau von Lebens­mit­teln könnte die Parzelle auch dafür benutzt werden Energie mit Photo­vol­taik oder kleinen Wind­kraft­an­lagen zu gewinnen. Mindes­tens ein Gebäude im Block sollte einen Aufzug bekommen, um mobi­li­ät­sein­ge­schränkten Personen einen Zugang zum Dach­garten zu schaffen und Lasten hoch und runter trans­por­tieren zu können. Im Sinne einer Kreis­lauf­wirt­schaft wird der Biomüll in den Wohnungen gesam­melt und auf den Dach­garten zur Kompos­tie­rung gebracht. Die Lage auf dem Gebäude verhin­dert zusätz­lich, dass uner­wünschte Tiere, wie Ratten ange­lockt werden.

Auch auf allen weiteren Gebäuden (Büro­ge­bäuden, öffent­li­chen Gebäuden, etc) sollten Dach­gärten entstehen. Diese können an Bewohner in der Nähe verpachtet werden und beispiels­weise über Brücken, die die Blöcke verbinden, erreichbar sein.

 

Mobi­lität

Oberster Grund­satz eines nach­hal­tigen Stadt­vier­tels muss sein, dass die Menschen nur kurze Wege zurück legen müssen, um ihre Bedürf­nisse zu erfüllen. Neben Home­of­fice-Konzepten ist es wichtig, dass inner­halb der Blöcke eine Misch­nut­zung aus Wohn- und Büro­ge­bäuden besteht. Auch (geräusch­arme) Gewer­be­be­triebe und Werk­stätten sollen sich in unmit­tel­barer Umge­bung der Wohn­ge­bäude befinden. Auf diese Weise fallen lange Pend­ler­wege weg und es kann im Alltag massiv Energie einge­spart werden. Nicht zuletzt haben kurze Wege auch einen enormen wirt­schaft­li­chen Vorteil: Zeit ist Geld!

Ein klima­freund­li­ches Stadt­viertel muss auto­frei sein. Obli­ga­to­ri­sche Zufahrten für die Feuer­wehr und die Müll­ab­fuhr und Ausnahmen für Spezi­al­fahr­zeuge, Schwer­last-Liefer­ver­kehr, Kran­ken­trans­porte, Härte­fälle, etc sind selbst­ver­ständ­lich davon ausge­nommen. Aber: Die mobile Bevöl­ke­rung ist einge­laden ihre Wege mit dem Rad oder zu Fuß zurück legen. Leichte bis mittel­schwere Lasten sollen mit Lasten­rä­dern beför­dert werden.

Zusätz­lich bietet es sich an elek­tri­sche Stra­ßen­bahnen einzu­richten. Diese haben im Vergleich zu Elektro-Indi­vi­du­al­ver­kehr eine deut­lich höhere Effi­zienz — das heißt viel weniger Ener­gie­ver­brauch pro Person. Das ist einer der Gründe, warum die Stra­ßen­bahn schon jetzt welt­weit eine Renais­sance feiert. Elek­tro­busse sind eben­falls eine zukunfts­fä­hige Art Menschen von A nach B zu bringen. Das Problem bei Bus und Bahn ist dass den Passa­gieren der Kontrollas­pekt fehlt. Sie haben ihre Umwelt nicht unter Kontrolle wie es beispiels­weise im Indi­vi­du­al­ver­kehr der Fall ist. Wenn beispiels­weise ein Stau auftritt und das Errei­chen ihres Zieles in Gefahr gerät, dann sind die Passa­giere davon abhängig, wie die Fahrerin/der Fahrer reagiert — ohne Einfluss darauf zu haben. Radver­kehr hingegen ist deshalb eine hervor­ra­gende Mobi­li­tätssart. Hier liegt die Kontrolle und Flexi­bi­lität bei der Einzelnen/dem Einzelnen.

Das Umland einer Stadt sollte deshalb neben Busver­bin­dungen auch mit Radschnell­wegen ange­bunden werden. Speziell für flache Gebiete bieten sich Schnell­wege für Velo­mo­bile an, die mit Auf- und Abfahrten ein schnelles Voran­kommen garan­tieren. Auf diese Weise können Menschen, die im Umland der Stadt leben wollen klima­neu­tral in eben­jene hinein­pen­deln.

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Für weiter entfernte Ziele müssen preis­güns­tiger Bahn­ver­kehr und komfor­table Fern­busse ange­boten werden. Am Rande der Stadt kann zudem ein Carsha­ring­pool für Elektro-Autos entstehen um weiter­ent­fernte Ziele zu errei­chen, die nicht mit Zügen oder Bussen erreichbar sind. Ähnlich wie heutige Flug­häfen sollten sich diese Carsha­ring­pools außer­halb der Stadt befinden und mit einer Stra­ßen­bahn­linie mit der Stadt verbunden sein. Wie gesagt: Die Verkehrs­flä­chen inner­halb der Stadt sind für Fahr­räder, Fußgän­ge­rinnen & Fußgänger (und einzelne Ausnahmen spezi­eller Fahr­zeuge) vorge­sehen.

 

Lebens­qua­lität

Neben den Vorteilen für den Klima­schutz ergibt sich aus den vorge­stellten Ideen ein zweiter großer Vorteil: Das Stei­gern der Lebens­qua­lität. Ein entschleu­nigtes, demo­kra­ti­sches, aktives, auf mensch­li­chem Maß beru­hendes Stadt­viertel passt sich an die mensch­li­chen Bedürf­nisse der Bewoh­ne­rinnen und Bewohner an. Und das ist wichtig: Auf diese Weise gerät der Wachs­tums­wahn in den Hinter­grund, der in unserer heutigen west­li­chen Welt derzeit noch dazu führt dass wir nicht nur plane­tare, sondern auch psychi­sche Grenzen über­schreiten. Ein Beispiel: Die Arbeits­un­fä­hig­keits­tage aufgrund psychi­scher Diagnosen haben sich in den letzten 10 Jahren in Deutsch­land circa verdop­pelt! Lebens­werte Städte mit funk­tio­nie­renden, wert­schät­zenden Sozi­al­struk­turen hingegen sind eine würdige Grund­lage für psychi­sche Gesund­heit.

Wenn in der Nach­bar­schaft viel Lebens­qua­lität zu finden ist dann inspi­riert das dazu sich mehr mit dem Stadt­teil zu iden­ti­fi­zieren und für noch mehr Lebens­qua­lität zu sorgen. Und: Je wohler man sich in seinem Umfeld fühlt, desto weniger hat man den Drang Reißaus zu nehmen und andau­ernd ausschwei­fend auf Reisen zu gehen. Und das ist positiv, denn das heutige Reise­ver­halten kostet leider sehr sehr viel Energie.

Im Moment leiden wir unter anderem noch unter Konsum­stress, der Qual der Wahl, der Angst Wesent­li­ches zu verpassen, indi­vi­du­ellen Ängsten und dem drohenden Klima­kol­laps. Was wir aber statt­dessen brau­chen sind resi­li­ente, unter­stüt­zende, inklu­sive, möglichst autarke, starke Gemein­schaften bzw Nach­bar­schaften. Was wir brau­chen sind Menschen, die sich als Subjekt gestalt­barer Umstände und nicht als Objekt unkon­trol­lier­baren Schick­sals erleben. Auf das Stadt­viertel bezogen heißt das:

Wir brau­chen Menschen, die ihre Wege selbst­be­stimmt mit Muskel­kraft zurück legen und nicht in Staus und Frust versinken. Wir brau­chen Menschen die ihre Ernäh­rung bewusst mit eigenen Lebens­mittel ergänzen statt vom Welt­markt abhängig zu sein. Wir brau­chen Menschen die lernen in Gemein­schaft Dinge zu repa­rieren, statt andau­ernd ein schlechtes Gewissen beim Kauf eines neuen Billig­pro­duktes haben. Wir brau­chen Menschen die wieder lernen zu teilen, zu geben und zu vertrauen anstatt versteckt hinter ihrer unre­flek­tierten Alltags-Rolle ihre Umwelt auszu­beuten. Letzt­end­lich brau­chen wir Menschen, die Teil der Lösung werden anstatt immer weiter auf Pump in eine Sack­gasse zu rennen, die zu einer welt­ge­sell­schaft­li­chen Kata­strophe führt. Nach­hal­tige, konse­quent das Klima schüt­zende Städte ermög­li­chen diesen Weg. Sie helfen dabei einen neuen Lebens­stil zu führen, der mit den Klima­zielen in Einklang steht und gleich­zeitig ein Plus an Wohl­be­finden beschert.

 

Zusam­men­fas­sung

  • Für die Klima­ziele müssen wir alle Bereiche unseres Lebens einem Wandel unter­ziehen
  • Wir müssen enorm viel Energie einsparen
  • Der Wohnort stellt die Grund­lage dafür dar
  • Wir müssen aufhören so viel Flächen in Anspruch zu nehmen
  • Wir müssen mit ökolo­gi­schen Mate­ria­lien wie Holz und Lehm bauen
  • Wir brau­chen urbane Dichte, zum Beispiel in Form von Block­rand­be­bauung
  • Wir brau­chen Gemein­schafts­räume um Gebrauchs­ge­gen­stände zu teilen
  • Wir brau­chen intakte, unter­stüt­zende Nach­bar­schaften
  • Wir brau­chen eine hohe Bindung an den Wohnort und ein ausge­prägtes Verant­wor­tungs­ge­fühl
  • Wir brau­chen bezahl­bare Mieten
  • Wir brau­chen Dach­gärten, viele Grün­flä­chen und Blüh­wiesen
  • Wir müssen nach mensch­li­chem Maß planen
  • Mobi­lität muss zu Fuß, mit dem Rad und mit ÖPNV statt Autos statt­finden
  • Wir brau­chen Radschnell­wege, auch für Velo­mo­bile
  • Wir brau­chen preis­güns­tigen Bahn­ver­kehr und komfor­table Fern­busse
  • Lebens­qua­lität muss im Fokus stehen

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